
Die „neuen“ Alten kommen.
Eine Auseinandersetzung mit veränderten Bedürfnissen und vernetzten Angebotsprofilen für die Gesundheitsversorgung 2030
so lautete das Thema des 1. Moduls am 14. und 15. April 2016.
Gastgebende war die Deutsche Krankenversicherung AG (DKV) in Köln.

Silke Lautenschläger, Mitglied des Vorstands der DKV und der ERGO Versicherungsgruppe AG
Silke Lautenschläger griff die Frage auf: „Ist 80 das neue 60?“
Bis jetzt gibt es keine belastbaren Belege dafür, dass länger leben auch mehr gesunde Jahre bedeuten.
Uwe Schnödewind, Bereichsleiter Kundenservice Leistung Spezial DKV – Deutsche Krankenversicherung AG.
Uwe Schnödewind präsentierte Operatives aus dem Veränderungsprozess: Versicherungs- und Versorgungskonzepte für die Generation „50plus“

Wie die Situation aus der Warte einer Gesetzlichen Krankenversicherung aussieht, stellte Alexander Wildberger, Geschäftsbereichsleiter Pflege und Demographie der
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, vor.

Alexander Wildberger, Geschäftsbereichsleiter Pflege und Demographie der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland
Kurz & Knapp: Diskussionsschwerpunkte und Eindrücke
Länger leben = Länger gesünder leben?
Krankenversicherungen – private wie gesetzliche – müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sich die Gesundheitsversorgung verändern muss mit den Bedürfnissen einer älter werdenden Gesellschaft. Von zentraler Bedeutung sind die künftige Lebenserwartung sowie die damit verbundenen Gesundheitskosten.
Für den Privatversicherer Deutsche Krankenversicherung (DKV) spielen natürlich auch die Entwicklungen im Kapitalmarkt eine wichtige Rolle.
Es muss sich erst noch herausstellen, ob die im Zuge des demographischen Wandels bzw. des medizinisch-technischen Fortschritts gewonnenen Lebensjahre überwiegend in Gesundheit oder in Krankheit verbracht werden (Kompression versus Medikalisierung).
Digitalisierung auf zwei Ebenen & Datenschutz
Die Digitalisierung hält bei der DKV auf zwei Ebenen Einzug:
1. nach innen – die digitale Umsetzung von Prozessen (z.B. können Versicherte Rechnungen abfotografieren und digital einreichen)
2. nach außen – z.B. Wearables; Diesbezüglich liegen noch keine Erkenntnisse bzw. Prognosen über den Nutzen bzw. mögliche Kostenreduktionen vor.
Herausforderungen sind der Datenschutz an den Schnittstellen.
Versicherung- und Versorgungskonzepte für die Generation „50plus“
Die DKV bietet diverse Gesundheitsprogramme an. Das ursprüngliche Ziel dieser Programme, eine Kostenreduzierung zu erreichen, war jedoch nur beim Angebot für Herzinsuffizienz belegbar.
Es werden trotzdem zielgerichtet spezielle, bedarfsgerechte Programme angeboten. Hierfür werden die in Frage kommenden Versicherten ausgewählt. Wirtschaftliche Überlegungen würden in diesem Bereich eine eher untergeordnete Rolle spielen. Positive Effekte für die DKV werden durch Weiterempfehlung erzeugt. Generell will die DKV erreichen, dass die Autonomie des Patienten gestärkt wird, indem entsprechende Informationsangebote gemacht werden.
Aus der Warte der GKV: Vernetzte Angebotsprofile
Auf die älter werdende Gesellschaft reagiert die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland mit besonderen Versorgungsmodellen: darunter Disease-Management-Programme (DMP), Verträge zur integrierten Versorgung (sog. IV-Verträge), Case Management / Fallmanager, Gesundheitskurse für ältere Menschen, Beratungsangebote zur Pflege, Modelle zu neuen Wohnformen für das Alter, technische Assistenzsysteme zurErhaltung der Selbständigkeit, Notrufsysteme usw.
Grenzen für die laufende Digitalisierung der Geschäftsprozesse setzen die komplexen rechtlichen Anforderungen an den Sozialdatenschutz undSchriftformerfordernisse.
Das ist mit erheblichen Aufwand verbunden. Zurückhaltung besteht gegenüber der Nutzung des „Datenschatzes“ der Krankenkassen zur Patientensteuerung und einem aktiven Versorgungsmanagement.
Das Programm 2016
Älter werdende Gesellschaft & Digital Health
Chancen für ein zukunftstaugliches Gesundheitssystem
Mit diesem Jahresthema werden sich die 16 Führungskräfte aus allen Bereichen des Gesundheitssystems auseinandersetzen. Dabei sind Vertreter aus Patientenorganisation, Gesetzlicher Krankenversicherung, Privater Krankenversicherung, Kassenärztlicher Vereinigung, aus der Geschäftsführung eines Ärztenetzes, aus dem Bundesministerium und dem Landkreis sowie Vertreter aus Pharma- und Diagnostik-Industrie, IT-Branche, Stiftung und Pflegedirektion.


Kennenlernen und Vorstellen
Die Teilnehmer*innen wurden begrüßt von Dr. Renate Müller, Gründerin und Moderatorin von tranSektoris – Leadership in Healthcare. In entspannter Atmosphäre stellten sich die Teilnehmer*innen gegenseitig vor. Schon vor Programmbeginn wurde Kontakt aufgenommen, um mehr von einander zu erfahren. Erwartet wird der „Blick über den Tellerrand“, Austausch und Vernetzung untereinander und mit den Referent*innen. 


Dr. Tobias D. Gantner, „The HealthCare Futurists“
„Feuerabend Köln“
Die "neuen" Alten: Wer seid ihr? Und was wollt ihr?
Der Referent war Dr. Tobias D. Gantner: Arzt, Gesundheitsökonom, Berater und aktiv in Lehre und als Gründer des Think Tanks „The HealthCare Futurists“. Er bot ein Feuerwerk an Ideen, Überlegungen, Möglichkeiten und Chancen. Er warnte in plastischen Bildern davor, die Welt von Morgen in den Grenzen von heute zu denken.
Der Umgang und die Einstellung der Menschen zum Altern unterschieden sich etwa im Generationenvergleich, ändern sich mit der steigenden Lebenserwartung, den Veränderungen der Arbeitswelt und den Möglichkeiten der Digitalisierung.
Innovationen im Gesundheitsbereich werden zunehmend nicht durch die „klassischen“ Versorger und Medizinproduktehersteller hervorgebracht, sondern sind getrieben durch „branchenfremde“ Informationsdienstleister wie Google. Diese können Gesundheitsdaten in großem Stil erheben und auswerten (Big Data), Kleine Start-Up-Unternehmen bieten spezialisierte Software- und Techniklösungen an z.B. Ärztebewertungsportale.
Das bietet unternehmerische Chancen in der Gesundheitswirtschaft und eröffnet Potentiale für eine stärker selbstbestimmte, individualisierte Gesundheitsversorgung.

Alumni, Gastgebenden und Referent*innen – Mitglieder des tranSektoris FORUMs – sind eingeladen zu den offenen Abenden mit Impulsreferat. Sie nutzten in Köln die Möglichkeit zum Wiedersehen und zum Kennenlernen der „Neuen“. 

Zweiter Tag:
Feedback & Auswahl der Case Studies
Am 2. Tag wurden von der Gruppe Fakten und Eindrücke des ersten Tages diskutiert und überlegt, was jeder für sich, seinen Aufgabenbereich und auch für seinen Arbeitgeber mitnehmen konnte. Im „Werkstattgespräch“ stellten zwei Teilnehmer*innen ihre speziellen Arbeitsbereiche vor. 



Vier Case Studies zum Themenfeld des Impact Programms wurden von Teilnehmer*innen präsentiert. Ihre Kollegen entschieden im Anschluss, welche Fallbeispiele in den nachfolgenden Modulen in Workshops gemeinsam bearbeitet werden.
Auf unterschiedliche Weise gestalten Alumini mit und bereichern das tranSektoris Impact Programm und das tranSektoris FORUM. 
Frank Ziegler (2012) und Doris Steinkamp (2012)
Annette Heusgen (2012)
[Bildergalerie] [Programm 2016]

















